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Netzkarteaus der EDITION handverlesen
Netzkarte ist Sten Nadolnys früher, hinreißend leichthändiger Roman um den Taugenichts Ole Reuter, einen jungen Mann, der getrieben von romantischen Sehnsüchten mit der Bahn quer durch Deutschland reist. Es geht ihm dabei weniger um rasante Streckenbewältigung, sondern um Erfahrungen und Begegnungen mit Menschen. Reuter ist kein Kind von Traurigkeit und geht dabei absolut offen ans Werk - und schon bald erfährt er die sinnlichen Momente des Reisens. Das mag sich dem Alltagspendler zwischen Tostedt und Bremen nicht erschließen - Nadolnys Reuter jedoch nimmt man dies ab. Zudem schildert er diese Vorgänge mit dezenter Ironie ohne jeden Voyeurismus. Aber Reuter erlebt ja noch mehr - er begegnet der Einsamkeit entlegener Endbahnhöfe. Er sitzt markanten Gesichtern oder pittoresken Typen in ländlichen Gasthöfen gegenüber. Und immer wieder laufen ihm Frauen über den Weg, die ganz offensichtlich einen Narren an ihm gefressen haben. All dies sind keine sensationellen Erlebnisse - und doch besitzt Nadolnys Prosa eine derart glühende Leuchtkraft, dass der Hörer keine Chance hat, das Buch aus der Hand zu legen. Ein unspektakuläres, aber ungeheuer dicht gezeichnetes Zeitbild. Und es kommt noch besser. Seine Fußwanderung von „Bayern nach Übersee" - es handelt sich um zwei Dörfer in der Nähe des Chiemsees in Bayern - gerät unversehens zu einer Auseinandersetzung mit Trauer über seinen jüngst verstorbenen Vater. Und hier vermischen sich Landschaftsschilderungen mit persönlichen Erinnerungen zu einer pulsierenden Schmerzlandschaft.
Über den Autor:
Sten Nadolny, 1942 in Zehdenick an der Havel geboren, ist einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller der Gegenwart. Er wude u.a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Hans-Fallada-Preis ausgezeichnet.
1981 erschien mit Netzkarte sein erster Roman, der auf Grundlage des Drehbuchs eines gleichnamigen Filmprojekts entstand, das nie realisiert wurde. Sten Nadolnys bekanntestes Werk, Die Entdeckung der Langsamkeit, erschien zwei Jahre später. Das Buch beschreibt, angelehnt an das Leben des Polarforschers John Franklin, den Werdegang eines Menschen, der scheinbar durch eine geistige Behinderung langsamer ist als der Rest der Welt, und trotz oder wegen seiner Langsamkeit seinen Weg geht und ein berühmter Kapitän und Entdecker wird. 1990 hielt Nadolny an der Münchener Universität die Münchner Poetikvorlesungen. Die inzwischen gealterte Hauptfigur von Netzkarte ließ der Autor 1999 in Er oder ich wiederauferstehen.
Sein Roman "Die Entdeckung der Langsamkeit" wurde zum Weltbestseller und zum modernen Klassiker.

